Zwischenepisode: Fountain?
Es war eigentlich noch viel zu früh zum Aufstehen, aber der Neocom-Indikator in Alkaljas Retinaimplantat blinkte langsam. Alkalja stand leise auf und verliess die Schlafnische auf Zehenspitzen um seine Partnerin nicht zu wecken, schloss lautlos die Shoji und hockte sich mit untergeschlagenen Beinen vor das Neocom in der gegenüberliegenden Wand. Es war eine Nachricht zum Abruf bereit. Alkalja bestätigte und las. Kurz darauf blickte er total verdutzt auf das vor ihm schwebende Memo. Marillio, der dumme Brutor, will doch tatsächlich kürzer treten und im Empire hocken bleiben? Alkalja wusste es immer: Alkohol tötet Hirnzellen – eigene Erfahrung. Aber im Zeitalter der Clone sollte das nicht mehr im Vordergrund stehen. Auch wenn Alkalja nie ein besonderer Freund der Minmatar war – naja, manchmal warf er schon einen neugierigen Blick auf die weiblichen Minmatarkämpferinnen – Marillio jedenfalls war trotzdem ein guter Freund. Alkalja erinnerte sich gerne an die alten Zeiten – durchzechte Nächte in irgend einer Spacebar auf irgend einer dumpfen und rostigen alten Spacestation weit ab vom Empire und den DED Kontrollen. Die Donnergurgler waren hochprozentig und unverdünnt. Alkalja hatte nie bis ganz zum Ende mit Marillio mithalten können. Dafür war Alkalja vielleicht auch zu streng militärisch aufgewachsen und hatte außerdem einige zu negative Erfahrungen mit psychoaktiven Substanzen in seiner eigenen Vergangenheit gemacht.
Der Brutor würde ihm fehlen. Und Aplescin sicherlich auch. Es schien klar in der Nachricht zu sein, dass Aplescin ihren Marillio begleiten würde. Das war noch eine der rar gesäten Minimatarkriegerinnen, bei der ein Caldari Civire wie Alkalja schwach werden könnte. Tja, Marillio weiss gar nicht was er da hat – typisch Brutor. Klar, als Vollblutkrieger geht Marillio im Empire vor die Hunde. Aber warum hat ihn Aplescin nicht beruhigt? Und warum will er jetzt trotzdem im Empire bleiben?
Jetzt endlich im Anfang August des Jahres 23345 (bzw. Jahr 109 n.Z.) hat die GE als Gemeinschaft wieder ein Ziel. Auch Alkalja ist mit dem Ziel Fountain nicht vorbehaltlos glücklich und hat selber für eine andere Region gestimmt. Aber die GE hat eine demokratische Entscheidung gewählt – und dies akzeptiert Alkalja. Wichtig ist es überhaupt wieder eine neue Perspektive und damit auch wieder ein Ziel zu haben. Endlich wieder Gatecamps vor der eigenen Haustür. Alkalja ist mehr als gespannt auf das System G95F-H und den dortigen Outpost. Vielleicht gibt es auch dort eine gemütliche Spacebar.
Alkalja ist sich sicher: Marillio ist keiner, den man extra motivieren müsste. Eigentlich ist er selber einer der Motivatoren in der GE. Die Perspektivlosigkeit hat ihn geschafft. Vielleicht dringt ja Aplescin noch zu ihm durch und kann ihm das neue Ziel Fountain ein wenig schmackhaft machen. Mit Sicherheit ist es um Klassen besser als im Empire zu bleiben – und wir können ohne große Aufwände unsere Strategien und Kampftechniken üben, testen und verbessern. Einen Versuch gibt es noch: Aplescin soll ihn überreden. Leise, ganz leise um seine Partnerin nicht zu wecken, gibt Alkalja dem Neocom das Sprachkommando zur Nachrichtsaufzeichnung an die stolze Minimatarkriegerin von der jetzt so viel abhängt...